Social Media Monitoring für Unternehmen
Folien zu meinem Vortrag auf der WebPR 2010 in München am 11.03.2010. Skepsis inklusive.
Wolfgang Wopperer: Jetzt mit eigenem Blog.Utopist, Unternehmer, Universaldilettant.Filed under: InternetSocial Media Monitoring für Unternehmenvia slideshare.net
Folien zu meinem Vortrag auf der WebPR 2010 in München am 11.03.2010. Skepsis inklusive. Dr. Dog about everything, everything else, and the Internet.via drdogmusic.com
iPad, Apps und die Zukunft des HackensIn der Debatte um Apples iPad, die es inzwischen bis in die FAZ geschafft hat (Jaha! Der Schirrmacher meint's ernst!), wird häufig und nicht zu Unrecht folgender Punkt gemacht: Apple überträgt das App-Modell vom iPhone auf das iPad, das als "Computer for the rest of us" positioniert ist. Wenn das iPad so erfolgreich wird, wie die absehbare User Experience und Apples Track-Record es versprechen, dann bedeutet das: Wir bekommen einen - gerade von "Anfängern" - vielgenutzten Computer, der auf einem geschlossenen Programmiermodell beruht. Klar, es gibt SDK & Co. - aber auf dem Rechner selbst kann kein Benutzer experimentieren. Und Apps: müssen durch Apples Abnahmeprozess für den Store. Bye bye hacking, also. So scheint's. Aber: stimmt nicht. Was nämlich parallel passiert: JavaScript wird zur meistgenutzten Programmiersprache der Welt, HTML 5 ermöglicht In-Browser-Applikationen, die den nativen immer näher kommen, und Daten speichern wir ohnehin in der Cloud. Was damit möglich wird, hat Jan gerade beim Music Hackday wieder bewiesen: Ein kollaborativer Sequencer samt Synthesizer, komplett In-Browser. (Und sogar serverseitig: JavaScript.) Googles Webapps, Palms webOS, was die Mozilla Labs so ausbrüten: Das Internet als Betriebssystem, it's coming. Und, fast noch wichtiger: Tools wie Bespin oder Kodingen bringen die Entwicklung, das Coding in den Browser. Was liegt auch näher, als Programmierung mit Web-Technologien buchstäblich im Web stattfinden zu lassen? Hacken stirbt nicht mit dem iPad, es wechselt nur den Ort. Was damit aber umso wichtiger wird: Web-Standards, Netzneutralität, Interoperabilität, das Netz als Infrastruktur, nicht als Markt. Im "War for the Web" wird die Zukunft des Hackens entschieden, nicht im Markt der Endgeräte. Wie man (als größeres Unternehmen) ein (mittelgroßes) Projekt anpacken sollte
Na bitte, geht doch! Danke, Jean Luc Think Tank.Wo die Not am größten ist, da wächst das Rettende auch: Seit dem Jean Luc Think Tank am Wochenende bin ich guten Mutes, dass wir noch intellektuelle Reserven haben, die wir für eine echte Debatte über das Internet nutzen können. Gutes Format, viele interessante Teilnehmer und spannende Diskussionen, und nicht zuletzt konkrete Pläne, wie wir die Themen "Politische Theorie des Internet" und "Netzdiskurs und Ideologie" weiterbearbeiten können. In den nächsten Tagen und Wochen gibt's dazu sicher mehr - dann wird es heißen "Simmel meets Singularitarian", "Wie viel Jesus ist das Internet?" und "Aristoteles für Facebook-Freunde". Hier ist jedenfalls schon mal eine Vorschau auf unser Thema: (Datenbasis: unser Etherpad-Dokument für den gemeinsamen Essay zum Thema; Stand: heute, 13:00 Uhr) The Celestial Jukebox: A Quick How To.Wie man ein Freund der himmlischen Jukebox wird:
Kann ich nur empfehlen. Debatte? Welche Debatte?Erst die liebgewonnenen Vorurteile: Klar, der Schirrmacher wieder. Nach der Überalterung und dem Ende der Familie nun also das Internet als Überforderungsmaschine. Fröhliche Urständ des Kulturpessimismus, was sonst. Dann kommt Fräulein Schiller und möchte eine Debatte visualisieren, schlägt den leidigen Schirrmacher vor, und man kommt nicht umhin, den ganzen Schmonz auch wirklich zu lesen. Und dann die (erschreckende?) Erkenntnis: Der 1. FC Feuilleton hat vielleicht keinen Sturm, aber immerhin einen Spielmacher. Und keinen schlechten. Lokomotive Internet dagegen: Kick and rush, ungestüme Stürmer, kaum Ballkontrolle, kaum Tore. Spiel? Fehlanzeige. Beim Lesen und Nach-Denken wird schnell klar: Der Großteil der üblichen Verdächtigen arbeitet sich an der - zugegeben wohlfeilen und aufmerksamkeitsgeilen - These von der Überforderung ab; aber kaum jemand diskutiert die richtigen und wichtigen Fragen, die Schirrmacher eben auch aufwirft. Sind Internet, Aufmerksamkeitsökonomie und "Mikroarbeit" nicht auch eine Zuspitzung des Spätkapitalismus? Welchen Einfluss hat diese Technologie auf unsere Identitäts- und Autonomiekonzepte? Was bedeutet "externalisiertes Denken"? Ist die anscheinende Berechenbarkeit von menschlichem Verhalten vielleicht auch eine Folge unserer immer stärkeren Einbindung in komputationelle Kontexte? Und: Wie schön ist die neue Welt des Internet eigentlich? Sicher: Gegen Schirrmachers Thesen lässt sich trefflich argumentieren. Der Spätkapitalismus wird durch das Internet mindestens ebenso in Frage gestellt wie zugespitzt. Identität und Autonomie haben wir angesichts neuer Formen von Kommunikation, Interaktion und Machtausübung stets neu definiert. Denken und Gedächtnis wurden auch durch Adressbuch, Post-its und Lexika externalisiert. Die Vorhersagbarkeit von Verhalten ist schon lange der ewige Traum der empirischen Sozialwissenschaft. Und: Auch die neue Welt der Industrialisierung war nicht nur schön. Dafür können wir hierzulande jetzt mehrheitlich warm duschen. Aber, erstens: Genau diese Argumente sind die Minderheit - die Mehrheit der Netz-Antworten beschränkt sich darauf, wahlweise über den angeblichen Noob Schirrmacher zu lachen, gegen einen wahrgenommenen Kulturpessimismus anzurennen oder das alte Spiel "Alte gegen Neue Medien" zu wiederholen. Lame. Und, zweitens: Vielleicht müssen wir manche von Schirrmachers Fragen ernster nehmen, als uns lieb ist - und vielleicht ließen sich weitere daran anschließen. Bedient das Multitasking meines Internet-Alltags wirklich meine Stammesinstinkte, oder behindert es sie nicht vielmehr? Ist unsere Tribalisierung durch das Internet nicht auch eine Gefahr für das Projekt "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit"? Und: Klar bin ich unzufrieden mit Googles jüngstem Bemühen, meine Suchanfragen zu interpretieren - nicht schlau genug. Aber was passiert, wenn die Algorithmen ausgeklügelt genug sind? Bin ich dann zufrieden mit dem Gelieferten, ohne es zu hinterfragen? Ist das Diktat der Interessanz vielleicht doch nur die Ablösung der Redaktion durch die echo chamber und durch die Quants, die schlauen Vorwegnehmer meines Interesses? Bei der Recherche für die Debattenvisualisierung habe ich mich oft auf Frank Westphals Rivva verlassen - und just ging mir einer der interessanteren Beiträge dazu durch die Lappen. Das jedoch ist weniger ein Fehler des Algorithmus als vielmehr einer des Diskurses: Was keiner verlinkt und tweetet, das spült Rivva natürlich nicht nach oben. Und offenbar war der betreffende Beitrag dem Netzpublikum nicht so wichtig wie die Einlassungen eines Sasche Lobo, Ossi Urchs oder Markus Spath. Womit wir beim Kern meines Problems mit der hiesigen "Debatte" wären: Die fast vollständige Abwesenheit einer solchen. Das Netzpublikum redet mit sich selbst, das Feuilleton ist das Feuilleton, und Schluss. Wortreiche Sprachlosigkeit zwischen Nabelschauern. Keine Third Culture, nirgends. Dachte ich bis heute gestern abend. Da wurde Fräulein Schiller wieder aktiv und schickte mir (ja, gescannt) das Schirrmacher-Interview aus der aktuellen de:bug. Und plötzlich ist alles da: Menschen, die miteinander reden, die Gemeinsamkeiten entdecken, die Themen teilen und nicht Standpunkte, und die (trotzdem? deswegen?) anfangen, Argumente auszutauschen. Inkl. theoretischem Hintergrund, Zuspitzungen und schlussendlicher Uneinigkeit - und dem unwillkürlichen Leserimpuls, weiterzudenken. Kurz: Eine Debatte. Und deshalb ist mir seit heute Sascha Kösch lieber als Sascha Lobo. P.S. Ich erwarte einen diesbezüglichen Beitrag auf Deutschlandradio Kultur zur Wiederherstellung meines Glaubens an die deutsche Debattenfähigkeit. Bis dahin liegt alles auf Eis. Google und die Kleinen Teile, Teil 2Der Aufschrei, der durch's Netz ging, war beträchtlich - das Etherpad-Team darf ganz schön stolz sein. Und mein Kollege Florian Siepert hatte vollkommen recht: Google wäre nicht Google, würden sie einen solchen Aufschrei ignorieren. Daher heute, Sonntag: Alles wieder gut. Etherpad als Open Source: Das greift auf, was ohnehin als bevorzugte Reaktion auf den Aufkauf diskutiert wurde, gibt uns allen die Möglichkeit, seine Zukunft zu bestimmen, und da Etherpad mindestens nutzbar bleibt, bis der Code verfügbar ist, müssen wir uns auch keine Sorgen über unsere Daten machen. Erstaunlich dabei: 1. Die Geschwindigkeit, mit der Google (und ex-Etherpad) ihre Entscheidung revidiert haben.2. Die Offenheit und Transparenz, mit der diese Revision verkündet & erklärt wird. Das Netz hat sehr eindeutig gewonnen in diesem Fall - und Google: Doch nicht böse. Ab heute und auf Bewährung. Google vs. Small Pieces, Loosely JoinedEins muss man Google lassen: Sie haben den richtigen Riecher. Realtime Web? Check. Etherpad, das interessanteste Tool dafür? Check. Aber wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe. Warum habe ich, haben Sebastian Sooth, Kathrin Passig, Deutschlands Coworker, mein Chef Etherpad benutzt? Because it's so damn simple. Es tut nur eins, und das sehr gut: viele Menschen gemeinsam an einem Text arbeiten lassen, in Echtzeit. Besser als ein Wiki, und ohne Schnickschnack. Ein Tool für einen einzigen Zweck. Aber: gemeinsam an etwas arbeiten, in Echtzeit? War da nicht was von Google? Ja, richtig: ein (wie sagt man das auf deutsch?) overengineeredes Tool, das alles kann & ersetzen will (Email, IM, Collaborative Editing, you name it). Möchte ich es benutzen? Nein. Nicht weil es von Google ist, sondern weil ich mich nicht auf das konzentrieren kann, was ich damit machen möchte. Ich nutze Email, ich nutze Skype, ich nutze Dropbox, ich nutze Google Docs, und alles greift wunderbar ineinander. Das einzige, was mir fehlte: Einfach in Echtzeit gemeinsam an Texten arbeiten. Dafür hatte ich Etherpad. Small pieces, loosely joined - alles war gut. Bis gestern: Google kauft Etherpad, alle Pads enden am 31. März nächsten Jahres. No big deal? I don't think so. 1. Wenn mir jemand die Möglichkeit nimmt, mir meine Tools so zusammenzustellen, wie es zu meiner Arbeitsweise am besten passt, dann bin ich sauer. Aber auch darüber hinaus: Wenn jemand gegen "small pieces, loosely joined" arbeitet, dann arbeitet er gegen das Internet. Das bringt mich zu: 2. Der Kauf von Etherpad und, vor allem, der Shutdown durch Google ist ein weiterer Angriff im, wie es Tim O'Reilly nennt, "war for the web" - Teil des Bemühens, die Vorherrschaft im Web zu gewinnen: "We're heading into a war for control of the web. And in the end, it's more than that, it's a war against the web as an interoperable platform. Instead, we're facing the prospect of Facebook as the platform, Apple as the platform, Google as the platform, Amazon as the platform, where big companies slug it out until one is king of the hill." Dieser Weg behagt mir nicht. Und deshalb, zur Enttäuschung mancher Freunde: From today, I'll consider Google as evil. |
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