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iPad, Apps und die Zukunft des Hackens

In der Debatte um Apples iPad, die es inzwischen bis in die FAZ geschafft hat (Jaha! Der Schirrmacher meint's ernst!), wird häufig und nicht zu Unrecht folgender Punkt gemacht:

Apple überträgt das App-Modell vom iPhone auf das iPad, das als "Computer for the rest of us" positioniert ist. Wenn das iPad so erfolgreich wird, wie die absehbare User Experience und Apples Track-Record es versprechen, dann bedeutet das: Wir bekommen einen - gerade von "Anfängern" - vielgenutzten Computer, der auf einem geschlossenen Programmiermodell beruht. Klar, es gibt SDK & Co. - aber auf dem Rechner selbst kann kein Benutzer experimentieren. Und Apps: müssen durch Apples Abnahmeprozess für den Store. Bye bye hacking, also.

So scheint's.

Aber: stimmt nicht.

Was nämlich parallel passiert: JavaScript wird zur meistgenutzten Programmiersprache der Welt, HTML 5 ermöglicht In-Browser-Applikationen, die den nativen immer näher kommen, und Daten speichern wir ohnehin in der Cloud. Was damit möglich wird, hat Jan gerade beim Music Hackday wieder bewiesen: Ein kollaborativer Sequencer samt Synthesizer, komplett In-Browser. (Und sogar serverseitig: JavaScript.) Googles Webapps, Palms webOS, was die Mozilla Labs so ausbrüten: Das Internet als Betriebssystem, it's coming.

Und, fast noch wichtiger: Tools wie Bespin oder Kodingen bringen die Entwicklung, das Coding in den Browser. Was liegt auch näher, als Programmierung mit Web-Technologien buchstäblich im Web stattfinden zu lassen?

Hacken stirbt nicht mit dem iPad, es wechselt nur den Ort.

Was damit aber umso wichtiger wird: Web-Standards, Netzneutralität, Interoperabilität, das Netz als Infrastruktur, nicht als Markt. Im "War for the Web" wird die Zukunft des Hackens entschieden, nicht im Markt der Endgeräte.

Our own private Music Hackday

Alles gebucht, alles gepackt, alle Zeiten eingehalten, und dann: Schnee, Schnee, Schnee. So saßen Jan, Michael und ich am Freitag Abend in Lübeck und mussten den Music Hackday in Stockholm fahren lassen. "Flight diverted", a.k.a. three guys stuck in Germany.

Weil aber schnell klar war, dass wir trotzdem Musik hacken wollen, haben wir uns kurzentschlossen am Samstag und Sonntag in unserem Büro zusammengesetzt und ein wenig Hackery betrieben. Here is what we came up with:

Neben dem allfälligen Pairing und Googling konnte ich immerhin zu AMIE (hoffentlich) Substantielles beitragen: die Idee, den Synthesizer mit Echonest-Daten zu füttern, ein quasimusikalisches Verfahren zur Harmonisierung und ein wenig Style (Neue Helvetica und ein Grid, natürlich). Ergebnis: Eine MicroApp, die jeden Song (sofern bei Echonest bekannt) in eine "Musikschüler spielt Kirchenorgel, begleitet von einem wackligen Metronom"-Version konvertiert. Klingt nerdy, ist es auch.

Achtung: The really nerdy part. Und so funktioniert's: Wir nehmen die Segmente, die Echonest aus einem Song extrahiert, streichen ausgehend vom dominanten Ton jedes Segments rekursiv alle Disharmonien, fügen einen Metronom-Click hinzu, den wir aus Echonests Beat-Daten ableiten, und rendern das ganze über Jans JavaScript-Synthesizer. Im besten Fall hört man dann die harmonische Struktur des Songs (Erkenntnisgewinn!) - ansonsten gibt's ein wenig Bach, Free Jazz und Pseudo-Stockhausen for free. Wonders of algorithmism.

Am Ende haben wir das Ganze remote via Screencast präsentiert, Applaus bekommen, und, ja, wir tragen uns mit der Hoffnung, doch noch zwei der (darf man das noch sagen?) endcoolen Echonest-Tracksuits zu bekommen. Irgendwie.

P.S.: Lerneffekt: Musik nicht zu visualisieren kann auch befriedigend sein. Und: Remote hacking has claim to fame potential.