Eins muss man Google lassen: Sie haben den richtigen Riecher. Realtime Web? Check. Etherpad, das interessanteste Tool dafür? Check. Aber wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe.
Warum habe ich, haben Sebastian Sooth,
Kathrin Passig, Deutschlands Coworker, mein Chef Etherpad benutzt? Because it's so damn simple. Es tut nur eins, und das sehr gut: viele Menschen gemeinsam an einem Text arbeiten lassen, in Echtzeit. Besser als ein Wiki, und ohne Schnickschnack. Ein Tool für einen einzigen Zweck.
Aber: gemeinsam an etwas arbeiten, in Echtzeit? War da nicht was von Google? Ja, richtig: ein (wie sagt man das auf deutsch?) overengineeredes Tool, das alles kann & ersetzen will (Email, IM, Collaborative Editing, you name it).
Möchte ich es benutzen? Nein. Nicht weil es von Google ist, sondern weil ich mich nicht auf das konzentrieren kann, was ich damit machen möchte. Ich nutze Email, ich nutze Skype, ich nutze Dropbox, ich nutze Google Docs, und alles greift wunderbar ineinander. Das einzige, was mir fehlte: Einfach in Echtzeit gemeinsam an Texten arbeiten. Dafür hatte ich Etherpad.
Small pieces, loosely joined - alles war gut. Bis gestern:
Google kauft Etherpad, alle Pads enden am 31. März nächsten Jahres.
No big deal? I don't think so.
1. Wenn mir jemand die Möglichkeit nimmt, mir meine Tools so zusammenzustellen, wie es zu meiner Arbeitsweise am besten passt, dann bin ich sauer. Aber auch darüber hinaus: Wenn jemand gegen "small pieces, loosely joined" arbeitet, dann arbeitet er gegen das Internet. Das bringt mich zu:
2. Der Kauf von Etherpad und, vor allem, der Shutdown durch Google ist ein weiterer Angriff im, wie es Tim O'Reilly nennt,
"war for the web" - Teil des Bemühens, die Vorherrschaft im Web zu gewinnen: "We're heading into a war for control of the web. And in the end, it's more than that, it's a war against the web as an interoperable platform. Instead, we're facing the prospect of Facebook as the platform, Apple as the platform, Google as the platform, Amazon as the platform, where big companies slug it out until one is king of the hill."
Dieser Weg behagt mir nicht. Und deshalb, zur Enttäuschung mancher Freunde: From today, I'll consider Google as evil.
UPDATE: Verdikt zurückgenommen, Google auf Bewährung.